Klima und Reisezeit
Geschichte
Die Geschichte des Landes führt weit zurück und ist eng verknüpft mit der Entwicklung der Menschheit. Schon im Paläolithikum gab es hier Ansiedlungen. Zu den frühesten stadtähnlichen Siedlungen zählt Çatalhöyük ( um 6500 v.Chr.) Später blühten und vergingen die Reiche der Hattis, Hethiter, Phryger, Urartäer, Lyker, Lyder, Ionier, Perser, Mazedonier, Römer, Byzantiner, Seldschuken und Osmanen, um nur die wichtigsten zu nennen.
Nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches wurde unter Atatürk, dem großen Staatsmann, am 29.10.1923 die Türkische Republik proklamiert, die sich unter seiner Führung und gemäß seiner Devise "Frieden im Lande, Frieden auf der Welt" zu einem modernen, westlich orientierten Staat entwickelte und aufgrund ihrer geostrategischen Lage zu den wichtigsten Ländern in der Region zählt.
1881 wurde Atatürk in Saloniki geboren. Das Haus, in dem er seine Kinder- und Jugendjahre verbrachte und in dem so manche historische Entscheidung gefallen ist, die das Land zu einer freien und unabhängigen Regierungsform führen sollte, ist heute als Museum eingerichtet und für Besucher zur Besichtigung freigegeben.
Es befindet sich im “Aya Dimitriya Mahallesi” (Bezirk) der griechischen Stadt “Selânik”, in der “Apostolu Pavlu Caddesi (Apostel Paulus Straße) No.75”, direkt neben dem türkischen Konsulat.
Archivquellen zufolge lautete die damalige Adresse: “Selânik, Koca Kasým Paþa Mahallesi (Bezirk), Islahhane Caddesi (Straße)”. Das Haus hat außer dem Kellergeschoss noch zwei Stockwerke und einen Innenhof.
Offiziellen Eintragungen der Stadt Saloniki zufolge wurde das Haus 1870 von dem Universitätsprofessor Hacý Mehmed aus Rhodos erbaut und später an einen Salonikier Bürger namens Abdullah Aða und seiner Frau Ümmü Gülsüm verkauft.
Aus diesen Fakten geht also hervor, dass Atatürks Vater Ali Rýza das Haus nicht selbst gebaut, sondern gemietet hatte.
Ali Rýza war einige Zeit im Stiftungssekretariat der Stadt Saloniki, später beim Zollamt tätig. 1876 war er 1. Leutnant beim nationalen Armeebatallion, bevor er sich in späteren Jahren als Kaufmann selbständig machte.
1878 heiratete Ali Rýza Zübeyde, die Tochter von Feyzullah Aða, aus einer der angesehendsten Familien Salonikis, den Sarýgüllü Hacý Sofulars. Er verließ das Haus seines Vaters Ahmed Efendi (Subaþý) der als “Kýrmýzý Hafýz” (Rezitierer des Korans) bekannt war, um mit seiner Frau in dem Koca Kasým Paþa Bezirk in ein gemietetes Haus zu ziehen.
Das von einer hohen Mauer umgebene Haus war nach alten Quellen zu urteilen, ein für damalige Verhältnisse typisches Haus mit drei Stockwerken, einem Empfangs- und Gästeteil, einem Schlaf- und Wohnteil, einem Brunnen und einem Innenhof. Die unteren Fenster des rosa verputzten Hauses waren mit Holzgittern, die des oberen Stockwerks mit Eisengittern geschützt. 1881 wurde dem Ehepaar im linken, durch einen Ofen beheizten Zimmer des zweiten Stockwerks, ein Junge (Mustafa) gboren. Ali Rýza verstarb im Jahr 1888 und die junge Witwe Zübeyde musste nun ihre drei kleinen Kinder Mustafa (Atatürk), Naciye und Makbule (Atadan) allein großziehen. Um die Lebensunterhaltungskosten etwas zu senken, zog sie aus dem rosa Haus in ein kleineres Nachbarhaus um. Zeitweilig ging sie mit ihren drei Kindern zum Hof ihres Bruders, Hüseyin Aða. Später lernte sie den laut Atatürk “gutherzigen” Ragýp Bey kennen und sie heirateten in dem kleinen Haus. Atatürk hatte zu Lebzeiten seines Vaters für kurze Zeit die Schule in dem Þemsi Efendi Bezirk besucht, nach seinem Tod wechselte er um auf die weiterführende Schule, um schließlich im Jahre 1893 auf die Militärakademie zu gehen. 1896 begann er seine Ausbildung an der Klosterschule für militärische Ausbildung und brachte schließlich seine schulische Laufbahn an der Istanbuler Militärakademie zuende. Seine Ferien verbrachte er in dem kleinen Haus mit seiner Mutter und den zwei Schwestern in Saloniki.
1902 begannn er mit einer Ausbildung in der Generalstabsklasse. 1905 hatte er den Titel eines Generalstabshauptmannes erreicht. Bis 1908, zur Zeit der zweiten konstitutionellen Periode (Meþrutiyet), leistete Atatürk seinen Militärdienst in der heutigen syrischen Stadt Damaskus, wo er 1906 mit einigen gleichgesinnten Kameraden eine geheime politische Vereinigung gründete, die den Namen ”Vatan ve Hürriyet” (Staat und Freiheit) trug. Die Vereinigung sollte allerdings in Mazedonien aktiv werden und so reiste Atatürk in der Zwischenzeit einmal heimlich nach Saloniki, um dort mit einigen Freunden eine Filiale zu gründen. Vor der Proklamierung der zweiten konstitutionellen Verfassung (1907) wohnte Atatürk wieder mit seiner Familie im Elternhaus, wo er auch bisweilen politische Versammlungen abhielt. Bei Ausbruch der Tripolis- und Balkankriege verließ Atatürk Saloniki und ein an Kämpfen reiches Leben erwartete ihn. Auch seine Mutter Zübeyde blieb daraufhin nicht länger in Saloniki, sondern verließ, wie viele Familien während der Balkankriege, mit ihrer Tochte Makbule (Atadan) die Stadt. Sie zog nach Istanbul, in eines der Häuser in Beþiktaþ und später, während der Zeit des nationalen Widerstands, nach Ankara. Das Klima dort bekam ihr allerdings nicht gut, so dass sie nach dem großen Sieg nach Izmir übersiedelte, wo sie im Jahr 1923 starb.
Nach dem Balkankrieg fiel die Stadt Saloniki an Griechenland und auch das kleine Haus, in dem Atatürk seine Kinder- und Jugendjahre verbracht hatte, befand sich nun laut des Abkommens von Lausanne in den Händen der Griechen. Deren Regierung verkaufte das Haus später an eine griechische Familie.
Am 29.Oktober 1933 zum 10. Jahrestag der Republiksgründung brachte die Stadtverwaltung vom jetzigen Saloniki, in Erinnerung an die türkisch-griechische Freundschaftskonferenz, an dem rechten Flügel der Tür von Atatürks Geburtshaus eine Marmortafel an, auf der in Türkisch, Griechisch und Französisch auf Atatürk hingewiesen wird:
“Der große türkische Kämpfer und Held des Balkankrieges Gazi Mustafa-Kemal wurde hier geboren. Aus Anlass des 10. Jahrestages der türkischen Republiksgründung wurde diese Tafel hier angebracht. 29.Oktober 1933”.
Am 4.November 1933 kam der türkische Botschafter aus Athen, um gemeinsam mit dem Gouverneur von Mazedonien und dem Bürgermeister von Saloniki in Anwesenheit einiger führender Persönlichkeiten Griechenlands die Tafel mit einer feierlichen Zeremonie hier anzubringen. Die Stadtverwaltung hatte später das Haus von seinem Besitzer gekauft und Atatürk zum Geschenk gemacht. Das Haus wurde allerdings erst am 19.Februar 1937 geräumt und die Schlüssel dem türkischen Konsulat in Saloniki überreicht.
In den Jahren danach wurde das Geburtshaus Atatürks seitens des benachbarten türkischen Konsulats wieder instandgesetzt, Geschäfte, die sich im unteren Stockwerk etabliert hatten, geschlossen und das Haus wieder in seinen alten Zustand versetzt. Der gelbe Anstrich musste einem rosafarbenen weichen und das Dach wurde repariert. 1950 wurde das Haus einer Renovierung von Grund auf unterzogen und gleichzeitig vom Außenministerium und dem Ministerium für Erziehung für Museumszwecke hergerichtet.
Bei der Auswahl der Ausstellungsstücke zog man einige Berater hinzu und entschloss sich schließlich zu einer Auswahl von Objekten aus dem Topkapý- und dem Dolmabahçe-Museum, die nach Saloniki geschickt wurden. Auf diese Weise konnten die Zimmer getreu dem Stil ihrer Epoche eingerichtet werden. 1953 wurde das Museum feierlich eröffnet.
Das Museum befindet sich auf dem Konsulatgelände in einem von einer Eisengitterumzäunung gegebenen Garten. Das einschließlich des Erdgeschosses dreistöckige Haus ist mit seinem Ziegeldach und den Erkern ein typisches Beispiel für ein altes türkisches Wohnhaus. Die Stockwerke werden durch viereckige vergitterte Fenster erhellt. Man betritt das Haus durch eine Flügeltür von der Straße her.
Erdgeschoss: Durch die Tür betritt man zunächst eine mit Backsteinen gepflasterte Halle. Der erste Raum auf der rechten Seite ist die Vorratskammer, der zweite die Küche. In diesem Bereich sind Küchengeräte ausgestellt wie Kupferschüsseln, Tonkrüge, Tongeschirr, eine Axt, ein Mörser, Vorratsbehälter und Truhen. Die Küchenschränke und –regale sind leer. Das erste Zimmer von links ist der Dienstbotenraum, das zweite Zimmer erfüllt die Funktion einer Diele, von der aus eine Treppe ins obere Stockwerk führt.
Erstes Stockwerk: Man erreicht die erste Etage sowohl über die innere Treppe als auch über eine Außentreppe durch den Garten. Sofort am Eingang ist eine große Diele mit einer Holzdecke. Vor den drei auf den Garten schauenden, mit Atlasvorhängen versehenen Fenster steht eine mit Kissen und besteckten Decken verzierte Polsterbank. In der Mitte der Diele steht ein runder Tisch. Rechts vom Ausgang zur Gartentreppe ist das Gästezimmer mit einem kleinen Truhenzimmer (sandýk odasý), in dem in der Regel Bettwäsche und Kissen aufbewahrt wurden. Zur Ausstattung des Gästezimmer gehören samtüberzogene Kanapees, Atlasvorhänge, eine Spiegelkommode, ein Holzkohlebecken aus Kupfer und Beistelltischchen. An der Wand hängt eine mit Seide bestickte Tafel und eine Uhr.
Im ersten kleinen Zimmer von links ist die Küche untergebracht. Hier stehen die Herde und diverse Küchengeräte. Das zweite Zimmer ist der Schlafraum. In einer Ecke des Zimmers befindet sich ein Doppelbett aus Messing, an dessen Kopfende an der Wand in einem roten Atlasbezug, der mit einer silbernen Borte verziert ist, ein Koran hängt. Daneben ist eine Tafel, auf der der erste Absatz der Eroberungs-Sure zu lesen ist, angebracht. Vor dem Bett steht ein Holzkohlebecken aus Messing und unter den auf die Straße schauenden mit Atlas verhängten Fenstern steht eine lange Polsterbank.
Zweiter Stock: Neben dem sandýk odasý (Truhenzimmer) im ersten Stock führt die Treppe ins darüberliegende Stockwerk. Auch hier treffen wir wieder auf eine mit einer Polsterbank ausgestattteten Diele, die allerdings etwas kleiner ist. Durch eine Tür rechts betritt man ein mit einer Stuckdecke ausgestattetes Arbeitszimmer. In diesem Zimmer, in dem Atatürk geboren wurde, sehen wir heute eine bronzene Büste von ihm, einen Schreibtisch, ein Holzkohlebecken aus Messing und Sessel. An den Wänden hängen Tafeln und Teller, die sich auf Atatürk beziehen. Das rechte Zimmer, das ehemals als Schlafzimmer diente, wird heute als Museumsraum benutzt. In Vitrinen sind Kleidungsstücke von Atatürk und persönliche Gegenstände von ihm ausgestellt. Fotos von ihm und Unterlagen aus seiner Schulzeit, sowie eine kleine Bücherei mit Atatürk-Büchern vervollständigen die Sammlung. Neben dem Schlafzimmer kann man auf eine mit einem Holzgeländer versehe Veranda hinaustreten.
Die letzten Renovierungs- und Ausstattungsarbeiten des Atatürk-Hauses in Saloniki wurden im Jahre 1981 durchgeführt.
|